Der Auslöser bei mir war banal. Ein neuer Chat weiß nichts über meine Projekte, kennt meine Prioritäten nicht, meine Schreibe nicht, meine Ordnerstruktur nicht. Also erklärst du das jedes Mal neu: zehn Minuten Kontext tippen, bevor die erste nützliche Zeile kommt.
Die naheliegende Reaktion ist ein Mega-Prompt: alles in einen Textblock, oben reinpasten, hoffen. Das skaliert genau bis zu dem Punkt, an dem du zwei Aufgaben hast, die unterschiedliches Wissen brauchen. Ein Prompt, der gleichzeitig deinen Code-Stil, deine Brand Voice und deine Rechnungsvorlagen erklärt, erklärt am Ende nichts davon gut.
Was hilft, ist eine andere Struktur. Du zerlegst dein Setup in Abteilungen. Jede Abteilung ist ein Ordner mit Skills und einer Config, darüber steht ein File, das definiert, wer du bist und was Priorität hat. Einmal aufgesetzt, arbeitet das System jeden Tag mit.
Sieben Abteilungen, ein CEO-File. Das ist die ganze Landkarte:
| Abteilung | Wofür | Kern-Werkzeuge |
|---|---|---|
| 01 Entwicklung | Planen, bauen, reviewen | Superpowers, Context7, claude-mem |
| 02 Design | Aussehen und Qualitätskontrolle | ui-ux-pro-max, design-review |
| 03 Marketing | Copy, SEO, Stimme | copywriting, ai-seo, brand-voice |
| 04 Social | Themen finden, Content ausspielen | FIND3X, POST3X |
| 05 Video | Bilder, B-Roll, Compositions | Higgsfield, HyperFrames, Remotion |
| 06 Office | Mail, Kalender, Wissen, Bank | MCP-Connectors |
| 07 CEO | Kontext und Prioritäten | eine CLAUDE.md |
Technisch liegt jede Abteilung im selben Verzeichnis. Skills wohnen unter ~/.claude/skills/, jeder als eigener Ordner mit einer SKILL.md darin. Claude lädt die Beschreibung jedes Skills und zieht den vollen Inhalt erst nach, wenn er zur Aufgabe passt. Deshalb kostet dich eine große Bibliothek keinen Kontext, solange du sie nicht brauchst.
Superpowers ist ein Skill-Paket, das den Arbeitsprozess vorgibt: Brainstorming vor der Implementierung, Test-Driven Development, Code-Review als eigener Schritt, systematisches Debugging. Der Effekt ist weniger spektakulär als er klingt und genau deshalb nützlich. Claude klärt erst, was gebaut werden soll, und tippt danach.
Context7 hängt als MCP-Connector dran und liefert aktuelle Bibliotheks-Dokumentation. Das löst das Problem, dass jedes Modell einen Wissensstand hat und Framework-APIs sich schneller ändern als dieser Stand.
claude-mem ist das Gedächtnis über Sessions hinweg. Es legt Beobachtungen aus vergangenen Läufen ab und macht sie durchsuchbar, sodass eine neue Session weiß, woran die letzte gearbeitet hat.
Dein erster Step: Superpowers installieren und einmal bewusst „lass uns X bauen" sagen, bevor du eine konkrete Datei verlangst. Du siehst sofort, ob dir der erzwungene Planungsschritt hilft oder im Weg steht.
ui-ux-pro-max bringt 50 Stilrichtungen, 21 Farbpaletten und 50 Font-Pairings mit, dazu Patterns für React, Next.js, Vue, Svelte, SwiftUI und Tailwind. Der Nutzen liegt darin, dass du eine Richtung benennen kannst, statt sie zu umschreiben. „Swiss, viel Weißraum, eine Akzentfarbe" reicht.
design-review läuft danach: es prüft das gebaute Interface auf inkonsistente Abstände, kaputte Hierarchie und die üblichen KI-Muster, und bessert direkt im Code nach.
Wenn du ein eigenes Designsystem willst, ist Claude Designsystem der schnellere Weg dorthin.
Dein erster Step: eine bestehende Seite von design-review prüfen lassen. Der Bericht zeigt dir, was an deinem aktuellen Look wirklich unrund ist.
Drei Skills, die zusammenarbeiten. copywriting für Landingpages und Verkaufstexte. ai-seo für Sichtbarkeit in KI-Antworten, was ein anderes Spiel ist als klassisches Google-Ranking. brand-voice hält die Stimme über alle Kanäle konstant, indem es ein Stilprofil aus echten Texten von dir ableitet.
Der Unterschied zu „schreib mir einen Text" liegt in der letzten Zeile. Ein Voice-Profil, das aus deinen eigenen Posts gebaut wurde, klingt nach dir. Drei Adjektive im Prompt tun das nicht.
Dein erster Step: zehn deiner besten eigenen Texte sammeln und daraus ein Voice-Profil bauen lassen. Das ist die Datei, die alle anderen Marketing-Skills danach lesen.
Hier läuft mein eigener Stack. FIND3X scannt wöchentlich eine kuratierte Liste von Kanälen, bewertet Posts nach Relevanz, Performance und Aktualität und legt die besten Themen zur Auswahl vor. POST3X nimmt ein ausgewähltes Thema und macht daraus Captions, Carousels, Reels oder Blogbeiträge und published sie.
Dieser Artikel ist durch genau diese Pipeline gelaufen: erst als Carousel produziert, dann über den Blog-Teil von POST3X zu dem Text, den du gerade liest.
Dein erster Step: ein Thema aufschreiben, das du diese Woche sowieso posten wolltest, und einen Skill bauen, der daraus deine Standard-Formate erzeugt. Zwei Formate reichen für den Anfang.
Higgsfield generiert Bilder, B-Roll und Videoclips. HyperFrames baut daraus Compositions, also Videos, die als HTML beschrieben und dann gerendert werden, inklusive Captions und Text-to-Speech. Remotion ist die Variante für alle, die ihre Videos lieber in React schreiben.
Alle drei lassen sich über ihre offiziellen Skills anbinden, zum Beispiel:
npx skills add heygen-com/hyperframes
Dein erster Step: einen Clip aus einem bestehenden Text bauen. Fang mit einem Absatz an, den du schon geschrieben hast. Eine Kampagne kommt später.
Diese Abteilung enthält keine Skills, sondern Verbindungen. Mail, Kalender, Wissensbasis und Bankkonto hängen als MCP-Connectors direkt dran. MCP ist der Standard, über den Claude mit externen Diensten spricht: statt dass du zwischen Tabs kopierst, führt Claude aus.
Damit werden Sätze möglich, die vorher zwei Tools und zehn Minuten gekostet haben: „Was steht diese Woche an und welche Rechnungen sind offen?"
Welche Connectors sich zuerst lohnen und wie du sie einrichtest, steht in 5 MCP-Services.
Dein erster Step: genau einen Connector verbinden, den du täglich anfasst. Kalender oder Mail. Nicht alle auf einmal.
Das ist der Teil, an dem die meisten Setups scheitern, und der einzige, den du nicht überspringen darfst.
Eine CLAUDE.md ist eine Markdown-Datei, die Claude automatisch liest, bevor er irgendetwas tut. Sie beantwortet drei Fragen: Wer bist du? Was hat gerade Priorität? Wie klingst du?
Es gibt sie auf zwei Ebenen. Global unter ~/.claude/CLAUDE.md gilt sie für alles: dein Arbeitsstil, deine Sprache, dein Code-Standard. Im Projektordner gilt sie nur dort: Architektur, Konventionen, offene Entscheidungen.
Ein brauchbares Grundgerüst:
# Wer ich bin
Rolle, Firma, worauf ich hinarbeite.
# Prioritäten
1. Was gerade Geld bringt
2. Was als Nächstes dran ist
3. Was bewusst wartet
# Wie ich arbeite
Antworte auf Deutsch, duze mich. Kurze Sätze.
Ein konkreter Vorschlag statt fünf Optionen.
Sag mir, wenn mein Ansatz schlecht ist.
# Stack
Womit ich baue und was ich bewusst nicht nutze.
Ohne dieses File bleibt der Rest Spielzeug. Sieben Abteilungen ohne gemeinsamen Kontext sind sieben Fremde, die dasselbe Werkzeug benutzen.
Wie so eine Datei im Detail aufgebaut wird, steht in CLAUDE.md richtig nutzen.
Nicht alles auf einmal. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Vollständigkeit.
CLAUDE.md. Zwanzig Zeilen reichen, du erweiterst sie sowieso ständig. Alles danach liest diese Datei.Skills installierst du entweder über den Paket-Weg (npx skills add <owner>/<repo>), über Plugin-Marketplaces in Claude Code oder von Hand, indem du einen Ordner mit SKILL.md unter ~/.claude/skills/ ablegst. Der Handweg ist der wichtigste, weil deine eigenen Abteilungen genau so entstehen.
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