Chris EichlerAI-first Product
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KI menschlicher schreiben lassen


Ein Adjektiv im Prompt ist keine Anweisung. "Menschlich" hat für das Modell keine klare Bedeutung, deshalb greift es auf seinen Durchschnitt zurück: gleichmäßige Satzlängen, Dreierlisten, Übergangsfloskeln. Was du brauchst, sind Regeln, Module und deine eigenen Sätze.

Level 1: Der Systemprompt

Hier gehören überprüfbare Regeln rein. Adjektive nicht. Der Unterschied ist simpel: "schreib natürlich" kann das Modell nicht messen, "maximal ein Nebensatz pro Satz" schon.

Die Faustregel: So wie du reden würdest, so formulierst du es einmal aus und packst es rein.

Mein Block sieht ungefähr so aus:

Schreibregeln:
- Du-Form, durchgängig.
- Ein Gedanke pro Zeile. Keine Schachtelsätze.
- Keine Dreieraufzählungen im Fließtext.
- Satzlängen streuen: pro Absatz mindestens ein Satz unter
  5 Wörtern und einer über 20.
- Kein Em-Dash. Komma, Punkt, Doppelpunkt oder Klammer.
- Keine Übergangsfloskeln (darüber hinaus, im Wesentlichen,
  es lässt sich festhalten).
- Jede Behauptung bekommt ein Beispiel oder eine Zahl.

Wichtig ist die Überprüfbarkeit. Jede dieser Zeilen kannst du an einem fertigen Text mit dem Finger nachzählen. Wenn du eine Regel nicht nachzählen kannst, formuliere sie um.

Falls du mit Claude Code oder Cowork arbeitest, gehört der Block in deine CLAUDE.md. Wie die aufgebaut ist, steht in CLAUDE.md richtig aufsetzen.

Level 2: Skills statt Monsterprompt

Irgendwann wird der eine Prompt zu lang und das Modell fängt an, Teile davon zu ignorieren. An dem Punkt zerlegst du ihn in Module: einen für Ton, einen für Stil, einen für Struktur, einen fürs Format. Jedes Modul greift nur dann, wenn es gebraucht wird.

Der wichtigste ist ein Modul, das prüft statt schreibt. Ich habe dafür einen Skill gebaut, der meine Texte auf KI-Muster scannt:

  • Kadenzen und gleichförmige Satzlängen
  • Dreierrhythmus in der Prosa
  • Wortwiederholungen im selben Absatz
  • versteckte Unicode-Zeichen, die beim Copy-Paste aus KI-Tools mitkommen

Ein Skill, der nur "humanizer" heißt und dem Modell sagt, es solle menschlicher schreiben, ändert exakt nichts. Das ist Level 1 in einem anderen Ordner. Was du brauchst, ist ein Linter: ein Modul mit festen Prüfregeln, das dir Fundstellen mit Zeilennummer zurückgibt.

Meinen kannst du dir ziehen: Anti-AI Writer. Da liegt auch der Download und die Installation für Cowork, Claude Code und Standalone-Python. Wenn du lieber deinen eigenen baust, ist Claude Skillcreator der Einstieg.

Level 3: Persona Vectors

Und jetzt das Unbequeme. Es gibt eine Ebene unter Prompt und Skill, und auf die kommst du nicht.

Anthropic hat 2025 gezeigt, dass sich Charakterzüge eines Modells als Aktivierungsmuster im Netz lokalisieren lassen. Sie nennen das Persona Vectors und nutzen sie, um Persönlichkeitsverschiebungen während Training und Deployment zu messen und zu steuern (Anthropic Research, Juli 2025, arXiv 2507.21509).

Das läuft auf der Ebene der Gewichte. Um dort etwas zu verschieben, bräuchtest du Zugriff auf das Modell selbst. Den hast du bei Claude oder ChatGPT nicht. Wenn dir also jemand verkauft, dass dein Modell mit genug Training irgendwann von selbst wie du klingt: systemisch geht das nicht.

Was du stattdessen machen kannst, ist billiger und funktioniert sofort. Du lieferst die Stimme als Beispiel mit, nicht als Beschreibung.

Hier sind fünf Absätze, die ich selbst geschrieben habe.
Analysiere daran meine Satzlängen, meinen Rhythmus, meine
typischen Übergänge und die Wörter, die ich auffällig oft nutze.
Schreib mir keine Zusammenfassung davon, sondern arbeite ab
jetzt in diesem Muster.

[deine 5 Absätze]

Fünf Absätze reichen erfahrungsgemäß. Sie müssen wirklich von dir sein, sonst trainierst du das Modell auf eine Stimme, die dir gar nicht gehört. Wenn du wenig geschriebenes Material hast: nimm Sprachnachrichten, die du an Freunde geschickt hast, und lass sie transkribieren. Die sind näher an deiner echten Sprache als alles, was du je für einen Kunden formuliert hast.

Typische Fehler

  • Adjektive als Regel. "Natürlich", "locker", "authentisch" sind für das Modell nicht messbar.
  • Alles in einen Prompt. Ab einer gewissen Länge fällt hinten etwas raus, und du merkst nicht welches Stück.
  • Den Rewrite nicht gegenlesen. Das Modell glättet gern in ein neues Muster, das genauso gleichförmig ist wie das alte.
  • Beispieltexte von anderen. Du bekommst dann eine fremde Stimme sauber reproduziert.
  • Detektor-Score als Ziel. KI-Detektoren messen Perplexität und Burstiness. Ein guter Score bedeutet nicht, dass der Text nach dir klingt.

Next Steps

  1. Schreib deine sieben Regeln auf. Nur die, die du nachzählen kannst.
  2. Nimm einen fertigen Text von dir und zähl nach, wie oft du gegen deine eigenen Regeln verstößt. Das schärft die Liste mehr als jedes Beispiel.
  3. Installier dir einen Linter, meinen oder einen eigenen.
  4. Leg fünf eigene Absätze in eine Datei, die du in jedes neue Projekt mitnimmst.
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