Ein Adjektiv im Prompt ist keine Anweisung. "Menschlich" hat für das Modell keine klare Bedeutung, deshalb greift es auf seinen Durchschnitt zurück: gleichmäßige Satzlängen, Dreierlisten, Übergangsfloskeln. Was du brauchst, sind Regeln, Module und deine eigenen Sätze.
Hier gehören überprüfbare Regeln rein. Adjektive nicht. Der Unterschied ist simpel: "schreib natürlich" kann das Modell nicht messen, "maximal ein Nebensatz pro Satz" schon.
Die Faustregel: So wie du reden würdest, so formulierst du es einmal aus und packst es rein.
Mein Block sieht ungefähr so aus:
Schreibregeln:
- Du-Form, durchgängig.
- Ein Gedanke pro Zeile. Keine Schachtelsätze.
- Keine Dreieraufzählungen im Fließtext.
- Satzlängen streuen: pro Absatz mindestens ein Satz unter
5 Wörtern und einer über 20.
- Kein Em-Dash. Komma, Punkt, Doppelpunkt oder Klammer.
- Keine Übergangsfloskeln (darüber hinaus, im Wesentlichen,
es lässt sich festhalten).
- Jede Behauptung bekommt ein Beispiel oder eine Zahl.
Wichtig ist die Überprüfbarkeit. Jede dieser Zeilen kannst du an einem fertigen Text mit dem Finger nachzählen. Wenn du eine Regel nicht nachzählen kannst, formuliere sie um.
Falls du mit Claude Code oder Cowork arbeitest, gehört der Block in deine CLAUDE.md. Wie die aufgebaut ist, steht in CLAUDE.md richtig aufsetzen.
Irgendwann wird der eine Prompt zu lang und das Modell fängt an, Teile davon zu ignorieren. An dem Punkt zerlegst du ihn in Module: einen für Ton, einen für Stil, einen für Struktur, einen fürs Format. Jedes Modul greift nur dann, wenn es gebraucht wird.
Der wichtigste ist ein Modul, das prüft statt schreibt. Ich habe dafür einen Skill gebaut, der meine Texte auf KI-Muster scannt:
Ein Skill, der nur "humanizer" heißt und dem Modell sagt, es solle menschlicher schreiben, ändert exakt nichts. Das ist Level 1 in einem anderen Ordner. Was du brauchst, ist ein Linter: ein Modul mit festen Prüfregeln, das dir Fundstellen mit Zeilennummer zurückgibt.
Meinen kannst du dir ziehen: Anti-AI Writer. Da liegt auch der Download und die Installation für Cowork, Claude Code und Standalone-Python. Wenn du lieber deinen eigenen baust, ist Claude Skillcreator der Einstieg.
Und jetzt das Unbequeme. Es gibt eine Ebene unter Prompt und Skill, und auf die kommst du nicht.
Anthropic hat 2025 gezeigt, dass sich Charakterzüge eines Modells als Aktivierungsmuster im Netz lokalisieren lassen. Sie nennen das Persona Vectors und nutzen sie, um Persönlichkeitsverschiebungen während Training und Deployment zu messen und zu steuern (Anthropic Research, Juli 2025, arXiv 2507.21509).
Das läuft auf der Ebene der Gewichte. Um dort etwas zu verschieben, bräuchtest du Zugriff auf das Modell selbst. Den hast du bei Claude oder ChatGPT nicht. Wenn dir also jemand verkauft, dass dein Modell mit genug Training irgendwann von selbst wie du klingt: systemisch geht das nicht.
Was du stattdessen machen kannst, ist billiger und funktioniert sofort. Du lieferst die Stimme als Beispiel mit, nicht als Beschreibung.
Hier sind fünf Absätze, die ich selbst geschrieben habe.
Analysiere daran meine Satzlängen, meinen Rhythmus, meine
typischen Übergänge und die Wörter, die ich auffällig oft nutze.
Schreib mir keine Zusammenfassung davon, sondern arbeite ab
jetzt in diesem Muster.
[deine 5 Absätze]
Fünf Absätze reichen erfahrungsgemäß. Sie müssen wirklich von dir sein, sonst trainierst du das Modell auf eine Stimme, die dir gar nicht gehört. Wenn du wenig geschriebenes Material hast: nimm Sprachnachrichten, die du an Freunde geschickt hast, und lass sie transkribieren. Die sind näher an deiner echten Sprache als alles, was du je für einen Kunden formuliert hast.
Kein Spam, jederzeit abbestellbar
